Zehn Mythen der Krise by Flassbeck Heiner

Zehn Mythen der Krise by Flassbeck Heiner

Author:Flassbeck, Heiner [Flassbeck, Heiner]
Language: deu
Format: epub
Publisher: Suhrkamp Verlag
Published: 2012-10-08T22:00:00+00:00


MYTHOS VII:

Alle müssen ohne Schulden auskommen

Ich habe diesen Mythos oben schon teilweise am Beispiel der schwäbischen Hausfrau abgehandelt. Er ist aber noch viel tiefer in unser aller Verständnis von Wirtschaft eingegraben, weil das Mantra des »Über-die-Verhältnisse-Leben« nicht nur für schlechtes privates Wirtschaften steht, sondern für schlechtes Wirtschaften im Verhältnis zur Natur und zur Begrenztheit der Erde überhaupt. An diesem Ende finden sich gerade bei den Grünen viele, die strikt gegen staatliches Schuldenmachen sind, weil sie jede Art von unsolidem Wirtschaften ablehnen.

Aber auch das ist ein Missverständnis, zumindest dann, wenn man, wie weite Teile der Grünen, den Eindruck erweckt, man könne unter Bedingungen des Nullwachstums dennoch eine funktionierende Marktwirtschaft und Investitionen in den Umweltschutz haben. Nullwachstum bedeutet aber Null-Ersparnisse und Null-Investitionen. Man kann das oben beschriebene Dilemma zwischen Ersparnissen und Investitionen nicht lösen, wenn man gleichzeitig alles tut, um die Dynamik der Investitionen zu brechen. Die bricht man aber, wenn man Wachstumsdynamik generell verhindern will. Marktwirtschaft ist wie ein Fahrrad: Bleibt sie stehen, kippt sie um.

Man kann allerdings die potenzielle Dynamik der Marktwirtschaft ohne Weiteres nutzen, um ökologische Ziele oder den gesamten Umbau des Produktionsapparates im Sinne ökologischen Wirtschaftens zu erreichen. Setzt man die richtigen Preissignale, zum Beispiel einen kontinuierlichen und stabilen Anstieg des Ölpreises (oder der Preise für fossile Energieträger insgesamt), werden sich die Investoren bei ansonsten guten Investitionsbedingungen in die richtige Richtung bewegen und (vermutlich effizienter als jedes zentral geplante System) Technologien entwickeln, die helfen, die individuellen Wünsche der Menschen und die ökologischen Notwendigkeiten des natürlichen Systems bestmöglich miteinander in Einklang bringen. Das wird aber mit Sicherheit dann nicht gelingen, wenn man den Ölpreis, wie das derzeit der Fall ist, der Spekulation an den Finanzmärkten überlässt.



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